Wilhelm-von-Türk-Stiftung

Förderung von Projekten mit Flüchtlingen und Migranten

Die Geschichte der Wilhelm-von-Türk-Stiftung

Wilhelm von Türk hatte neben seinen eigenen Kindern sieben Pflegekinder – so nannte er die von ihm gegründeten Stiftungen und Werke.

Das vierte seiner Pflegekinder war die Civilwaisenhaus-Stiftung zu Potsdam. Von Türk schreibt darüber: Es ward geboren den 26. April 1820, denn an diesem Tage verfaßte ich die erste Aufforderung zur Gründung einer Versorgungs-Anstalt für verwaiste Söhne von Staats- und Kommunalbeamten, die zur Erfüllung ihres Berufs einer höheren Bildung bedurft hatten.

Am Weihnachtsabend 1820 wurde Wilhelm Kohl als erster Zögling im Civil-Waisenhaus aufgenommen. Etwa 90 Ölgemälde aus seiner Sammlung stellte von Türk zur Finanzierung über eine Lotterie zur Verfügung. 3.000 Taler brachte er damit ein. Außerdem wurden Aktien verkauft, um das Vorhaben zu finanzieren. Zunächst war die Civilwaisenhaus-Stiftung in Potsdam in der Berliner Str. 4 untergebracht.

Die Gründungsversammlung der Stiftung fand am 22. Juni 1822 statt. Ein fünfköpfiges ehrenamtliches Gremium wurde gewählt – Wilhelm von Türk wurde zum Vorsteher.

Das »Grundgesetz für das am 1. Januar 1822 eröffnete Civil-Waisenhaus zu Potsdam« – die Statuten sozusagen – wurden auf der ersten Stiftungsversammlung beschlossen und am 21. Februar 1825 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. bestätigt.

Im Jahre 1844 siedelte die Stiftung auf das Grundstück Berliner Str. 148 um. Im Jahre 1862, 18 Jahre nach dem Tod von Wilhelm von Türk, wurde auf diesem Gelände auch das neue Civil-Waisenhaus eröffnet. Es war für die Beherbergung von bis zu 50 Zöglingen vorgesehen. In einem Raum des Hauses hängt bis heute ein Ölgemälde Wilhelm von Türks in Lebensgröße, gemalt von Prof. Remy.

Die Arbeit der Civilwaisenhaus-Stiftung wurde bis zum Ende des 2. Weltkrieges ohne Unterbrechungen fortgeführt. Zu DDR-Zeiten wurde dann die Erziehung von Kindern und Jugendlichen komplett vom Staat übernommen. Ab den 1950er Jahren nutzten kirchliche Mitarbeitende das Haus als Wohnunterkunft. Zunehmend wurden dort aber auch Fürsorgerische Qualifizierungskurse durchgeführt. Später entstand im Civil-Waisenhaus eine kirchliche Ausbildungsstätte für Gemeindediakonie und Sozialarbeit, die bis 1991 dort beheimatet war.

Ein ehrenamtliches Kuratorium verantwortete und begleitete über die Jahrzehnte diese Arbeit. Auf Drängen des DDR-Staates wurden am 13. Juni 1978 der Name der Stiftung und ihr Stiftungszweck geändert. Um die Arbeit christlicher Erziehung und Bildung fortführen zu können, lautet der Name seitdem offiziell: »Evangelisches Diakoniewerk Wilhelm-von-Türk-Stiftung«.

Nach der Wende im Jahre 1992 zog der Landesausschuss für Innere Mission (LAFIM) als Mieter in das Civil-Waisenhaus ein. Das Haus der Stiftung wurde von Grund auf denkmalsgerecht saniert.

Die Satzung wurde am 18. März 1998 erneut geändert. Die wichtigste Aufgabe ist heute: Die Betreuung, Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, für die insbesondere eine geregelte Betreuung und Entwicklung zu sozial gefestigten und im Sinne christlicher Ethik verantwortungsbewussten Persönlichkeiten nicht gewährleistet ist.